Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die größere Skepsis von Frauen gegenüber künstlicher Intelligenz (KI) nicht auf angeborenes Misstrauen zurückzuführen ist, sondern auf eine pragmatischere Einschätzung des Risikos. Während die KI-Einführungsrate bei Frauen um 25 % hinter der der Männer zurückbleibt, deutet eine aktuelle Studie der Northeastern University darauf hin, dass dieser Unterschied auf unterschiedliche Risikotoleranzniveaus und die Gefährdung durch potenzielle wirtschaftliche Folgen zurückzuführen ist.
Geschlechtsspezifische Risikowahrnehmung
Die in PNAS Nexus veröffentlichte Studie analysierte die Antworten von fast 3.000 Nordamerikanern und stellte fest, dass Frauen in Finanzszenarien durchweg eine größere Risikoaversion zeigten. Diese Tendenz spiegelte sich direkt in ihren Ansichten über KI wider : Frauen waren 11 % häufiger als Männer der Meinung, dass die Nachteile der KI ihre Vorteile überwiegen.
Die wichtigste Erkenntnis ist jedoch, dass diese Skepsis verschwindet, wenn die Arbeitsplatzsicherheit gewährleistet ist. Wenn Szenarien präsentiert werden, in denen KI-gesteuerte Beschäftigungszuwächse sicher sind, verschwinden die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Unterstützung der Technologie. Dies deutet darauf hin, dass Frauen nicht gegen KI sind, aber hinsichtlich der Unsicherheit vorsichtig sind.
Ungleiche Exposition gegenüber den Auswirkungen der KI
Die Forscher führen diese Vorsicht auf die Tatsache zurück, dass Frauen überproportional sowohl von den potenziellen Vorteilen als auch den Gefahren der KI am Arbeitsplatz betroffen sind. Frauen sind in Rollen überrepräsentiert, die durch KI entweder gestärkt oder beseitigt werden könnten, was ein zweischneidiges Risiko darstellt, dem Männer nicht in gleichem Maße ausgesetzt sind.
„Frauen sind der KI stärker ausgesetzt, sowohl in Rollen mit hoher Komplementarität, die von KI profitieren könnten, als auch in Rollen mit hoher Substitution, bei denen das Risiko einer Verdrängung besteht, obwohl die langfristigen Folgen von KI grundsätzlich ungewiss bleiben.“
Implikationen für die Politik
Diese Forschung hat wichtige Implikationen für politische Entscheidungsträger. Die Studie empfiehlt die Umsetzung von Maßnahmen zur Minderung von KI-bezogenen Risiken, wie z. B. Schutz vor Arbeitsplatzverlagerungen, Vergütungsregelungen und die Reduzierung von Vorurteilen in KI-Systemen. Das Ignorieren dieser geschlechtsspezifischen Dynamik könnte bestehende Ungleichheiten verschärfen.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass Skepsis gegenüber KI keine irrationale Angst ist, sondern eine rationale Reaktion auf ein System, das für Männer und Frauen unterschiedliche Risikoniveaus birgt. Die Beseitigung dieses Ungleichgewichts ist von entscheidender Bedeutung, um eine gleichberechtigte Einführung dieser transformativen Technologie sicherzustellen.
